Sonntagsreflexion und das Müllvermeide-ABC

Anderthalb Wochen sind nun vergangen, seit das Plastikfasten losging. Auch am heutigen Sonntag wollen wir uns wieder fragen: Wie läuft es bisher? Wo sind wir schwach geworden? Was fehlt uns noch an Informationen / Schwarmwissen, um erfolgreich in einen plastikfreien Alltag zu starten? Was sind meine Ziele für die nächste Woche?

An dieser Stelle ist für mich immer das Innehalten und Reflektieren wichtig. Leert vielleicht einmal euren gelben Sack und schaut, was sich darin befindet. Überlegt dann: Welche von diesen Sachen bekomme ich auch unverpackt (oder in Papier verpackt)? Oder, sofern dies nicht möglich ist: kann ich diese durch ein anderes Produkt ersetzen? Schreibt doch gerne in den Kommentaren eure Erkenntnisse der Woche.

 

Gibt es eine Anleitung, wie ich beim Müllvermeiden vorgehen kann?

Nun, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gibt es leider nicht. Die Lösung ist immer für jeden individuell. Trotzdem gibt es einen Rahmen, an dem ihr euch gerne orientieren dürft und den ich heute vorstellen möchte:

Die Müllpyramide

 

Die Müllpyramide - oder wie ich möglichst wenig Müll produziere
[Graphik in Anlehnung an Bea Johnsons “How to Get Started“]

1. Vermeiden

An oberster Stelle steht das Vermeiden, also das Ablehnen von Konsum. Das fängt an mit harmlosen Einkäufen, in denen schon “reflexartig” (daher der Titel) etwas im Einkaufs- oder Warenkorb landet, bevor ich mir überhaupt weitere Gedanken darüber machen kann, ob ich denn mein einhundertstes Kleidungsstück nun wirklich brauche oder jedes neuste High-End-Gerät gleich bei mir in der Wohnung stehen muss. Reflexartig greift man auch gerne zu den angebotenen Schokobonbons (wie Matthias letzte Woche in seiner Sonntagsreflexion berichtete) oder kostenlosen Kullis und USB-Sticks an Messeständen. Wichtig ist es, sich vor Augen zuführen, dass alles, was ich annehme (und dazu zählen auch “Freebies”), eine Nachfrage generiert und neue Ressourcen beansprucht.

Die Devise lautet also: Impulskäufe vermeiden. Vor jedem Einkauf / Zulangen überlege ich mir genau:

  • Wie lange gedenke ich das Produkt zu benutzen?
    Handelt es sich um eine einmalige Sache, kann ich das Produkt sicher auch irgendwo ausleihen.
  • Was ist die “Lebenserwartung” von diesem Produkt?
  • Wo kommt das Produkt her? Ist es schon einmal quer durch die Welt gereist, und damit einhergehend:
  • Wie klimafreundlich ist das Produkt?

Ggf. spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle:

  • Wie pragmatisch ist das Produkt, also kann ich das eine Produkt gleich für mehrere Zwecke nutzen? (Das ist im Leben eines Minimalisten wie mir eine entscheidene Frage.)
  • Wie waren die Arbeitsbedingungen bei Erstellung des Produktes?

 

2. Reduzieren und ausmisten

Benennen wir das Problem etwas konkreter, geht es um nichts anderes als das Reduzieren und minimieren. Erinnerst du dich, wann du das letzte Mal deinen Schrank oder dein Regal aus- oder umgeräumt hast? Oft fallen mir dabei Dinge in die Hände, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie besitze. Das ist dann ein gutes Zeichen dafür, dass ich mich dieser Dinge entledigen kann. Nutze die Fastenzeit also auch zum Ausmisten und Platz schaffen. Das gilt auch für Lebensmittelreste, die im Schrank versauern. Jetzt ist die Zeit, sie ein für alle Mal aufzubrauchen (auch wenn dies in die Plastikmüll-Bilanz mit reinzählt). Als Faustregel zum Ausmisten setze ich an:

Was du ein Jahr lang nicht benutzt hast, kann weg.

Falls dir das zu radikal ist, möchtest du es vielleicht zunächst einmal in Keller, Garage oder auf dem Dachboden verstauen und dann aber unbedingt nach einem weiteren Jahr nochmal drüber schauen!

Das Ausmisten, Raumschaffen und “Ballast loswerden” geht bei mir einher mit einem wunderbaren Gefühl von Befreiung und mehr Freiraum.

 

3. Wiederverwenden oder Reparieren

Nachdem ich nun so einiges aussortiert habe, ist es mir wichtig, dass diese Sachen nun nicht einfach in den Müll wandern, sondern möglichst wieder in Umlauf gebracht werden.

Dazu lagere ich die Sachen erst mal in meinem Flur zwischen und überlege dann, wo ich sie sinnvoll wieder unter den Mensch bringen kann (Free Your Stuff, FAIRKAUF-Haus, Ebay Kleinanzeigen, u.v.m. ). Auch Kleidertauschpartys (z.B. diese hier) sind willkommene Veranstaltungen, um alte Kleidungsstücke weiterzureichen (zu verschenken) oder neue Schätze zu erobern, die im Kleiderschrank bislang fehlten.

Dies bringt mich zu einem wichtigen Punkt: Nicht alles, was ich anschaffe, muss neu sein. Du glaubst gar nicht, wie viele (oft sehr gut erhaltene) Produkte es aus zweiter Hand gibt (Rucksack, Kühlschrank, Winterjacke, …), weil sie jemand im oben angesprochenen Impulskauf ergattert aber dann später doch unpassend fand.

Achte bei zukünftigen Einkäufen darauf, dass die Produkte wiederverwendbar und multifunktional sind (mein Rucksack muss gut für die Uni sein, aber auch später meinen Lebensmitteleinkauf fassen können). Achte beim Einkauf von Getränkeflaschen und Gläsern auf das Mehrweg-Zeichen. (“Einweg ist kein Weg.”) Fülle dir deine Käufe in mitgebrachte Beutel oder Dosen ab und Kleidungsstücke gleich in den Rucksack, statt in die Plastik- oder Papiertüte.

Darüber hinaus gilt: Nicht alles, was kaputt ist, muss gleich in die Tonne. Oftmals kann es mit nur wenig Aufwand repariert werden. Hier sind natürlich das Repair Café Stuttgart (Elektrogeräte, Holz & Möbel, Textilien) und der Hobbyhimmel (Holz, Metall, Elektro, Fablab, Textil, Farben, Drucken, Fahrrad) als Beispiele zu nennen.

 

4. Recycling

Bleiben trotz den oben genannten Tipps noch Sachen übrig, die nicht vermieden, minimiert oder wiederverwendet werden können, so führe sie einem geeigneten Recycling zu (siehe Abfallwirtschaft Stuttgart) in der Hoffnung, dass sie wieder als Rohstoff genutzt werden können und nicht einfach verbrannt werden.

 

5. Abfall

Das Entledigen in der Mülltonne stellt den letzten Ausweg dar.

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